|
29 Beiträge auf 2 Seiten |
» Beitrag schreiben |
|
|
Beiträge können nur von eingeloggten Mitgliedern geschrieben werden!
| "Der Tag, an dem die Erde stillstand" ist ein in schwarzweiß gedrehter Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1951. Er zählt heute zu den Klassikern seines Genres.
|

| In den 1950er Jahren erlebte die Science-Fiction - nicht nur im Spielfilm - einen produktiven Höhepunkt in den Vereinigten Staaten, der durch den Hintergrund des Kalten Krieges, den sprunghaften wissenschaftlichen Fortschritt nach Ende des Zweiten Weltkriegs und einer veränderten, verstärkt der Jugend zugewandten, Publikumsausrichtung der Medien zugeschrieben wird. Neben einer Reihe von Filmen, die mit einer Bedrohung durch die Wissenschaft - beispielsweise in Mutationsfilmen wie "Tarantula" (1955) - spielten, sticht in dieser Periode des amerikanischen Films vor allem eine große Anzahl von erfolgreichen Invasionsfilmen hervor. In diesen Filmen werden die USA und die gesamte Welt von der Auslöschung durch einen technisch überlegenen, außerirdischen Aggressor bedroht. "Der Tag, an dem die Erde stillstand" fällt dabei eine Sonderstellung zu, da lediglich dieser Film die Variante offeriert, dass die Besucher aus dem All kein Unheil bringen, sondern Frieden und die Aufforderung zur Selbsterkenntnis.
|

| "Der Tag, an dem die Erde stillstand" war der erste Science-Fiction-Film von 20th Century Fox und, wie die Los Angeles Times konstatierte, der erste Science-Fiction-Film mit bekannten Darstellern. Regisseur Robert Wise erlangte mit dem Film - seinem ersten für ein großes Studio - große Bekanntheit.
|
| Für die Rolle des Klaatu war zunächst Claude Rains im Gespräch, der aber aus Termingründen absagen musste. Produzent Darryl Zanuck sah Michael Rennie in England im Theater und engagierte ihn für die Rolle, da er glaubte, ein den amerikanischen Zuschauern unbekannter Schauspieler würde den Realismus der Darstellung eines Außerirdischen erhöhen.
|
| Der hünenhafte Roboter Gort wurde von Lock Martin, einem großgewachsenen Laiendarsteller, gespielt, der danach noch einmal in einer kleinen Rolle in einem Film mitwirkte ("Invasion vom Mars", 1953)
|
| Einige damals in den USA bekannte Nachrichtensprecher wie Elmer Davis hatten Cameo-Auftritte in dem Film: sie kommentieren die Landung des Raumschiffs, um dem Film, im Zusammenspiel mit den bekannten Schauplätzen von Washington D.C., einen realistischen Anstrich zu geben.
|
| Spezialeffekte wurden sparsam eingesetzt, für die Umsetzung waren Fred Sersen, L. B. Abbott und Ray Kellogg zuständig. Die Landung der fliegenden Untertasse in Washington ist eine der ersten filmischen Darstellungen eines solchen UFOs überhaupt; sie ist auch für die Entstehungszeit des Films erstaunlich realistisch umgesetzt. Das UFO war ein etwa 60 cm großes Miniaturmodell, das vor einem bewegten Matte Painting gefilmt wurde.
|
| Es gab zwei Kostüme für Gort, eines mit dem Reißverschluss hinten, eines mit dem Reißverschluss vorne, jeweils für Aufnahmen von vorn oder von hinten.
|
| Da Lock Martin Patricia Neal nicht heben konnte, wurde sie beim Dreh der entsprechenden Szene zunächst mit Drähten hochgezogen und in der nächsten Einstellung durch eine leichte Puppe ersetzt.
|
| Der "Strahlenblick" des Roboters war eine einfache Lichtquelle, die hinter den Augenschlitzen angebracht war.
|
| Besondere Aufmerksamkeit fand die Filmmusik von Bernard Herrmann, der eine ungewöhnliche Instrumentation (ausschließlich Blechbläser, zwei Harfen, zwei Klaviere, drei Vibraphone und drei elektrische Orgeln, sowie drei elektrisch verstärkte Solostreicher und zwei Theremins) einsetzte, um einen futuristischen Effekt zu erzielen. Es war zwar nicht, wie manchmal behauptet wird, die erste Verwendung des Theremins für einen Film - schon in Hitchcocks "Ich kämpfe um dich" ist eines zu hören - aber der Einsatz des Theremins in Science-Fiction-Filmen wurde nach "Der Tag, an dem die Erde stillstand" so populär, dass es auch in der Filmmusik der SF-Hommage/-Parodie "Mars Attacks!" Verwendung fand.
|

| Das Drehbuch übernahm von der Vorlage "Farewell to the Master" nur das Grundthema. Die Botschaft des Films, die Nebenhandlung des sich unter die Menschen begebenden Klaatu und die mögliche christliche Symbolik fehlen in der Kurzgeschichte. Aus Kostengründen wurden keine Szenen konzipiert, die im Weltall spielten.
|

| Die Geschichte selbst ist aufgrund einiger Parallelen als Analogie zur biblischen Geschichte von Jesus Christus gedeutet worden: Klaatu kommt mit einer Botschaft des Friedens, wird aber verfolgt und getötet. Er ersteht wieder auf, verkündet den Menschen seine Botschaft und verschwindet dann in den "Himmel". Als Indiz für diese Deutung gilt auch der Name, den sich Klaatu zulegt: Carpenter ist das englische Wort für Zimmermann, der angenommene Beruf des Jesus von Nazaret. Es ist auch möglich, dass die Änderung des Roboternamens von Gnut in Gort, was God (Gott) ähnlicher klingt, vom Drehbuchautor in diesem Sinne beabsichtigt war. Gort stünde dann als Analogie zu Gott, der die Menschen bestrafen wird, wenn sie es nicht schaffen, in Frieden zu leben.
|

| Regisseur Robert Wise hat beteuert, die Parallelen zur christlichen Symbolik erst bemerkt zu haben, nachdem der Film veröffentlicht war und Kritiker darauf hinwiesen. Drehbuchautor Edmund North dagegen hat zumindest zugegeben, den Namen Carpenter der Analogie wegen bewusst gewählt zu haben.
|
| Als Helen im Film Klaatu fragt, ob Gort ihn wiederbelebt habe, sagt er: "Nein, diese Macht ist dem Allmächtigen vorbehalten", und erklärt, dass die Wiederbelebung nur für eine gewisse Zeit anhalten wird. Dies wurde auf Wunsch des Studios eingebaut, um Proteste von christlicher Seite zu vermeiden: die Macht über Leben und Tod liegt nach deren Vorstellung nur bei Gott selbst.
|
| Wise setzt, um die Bedeutung des weltumspannenden Ereignisses zu visualisieren, Fernsehmonitore als Träger der Handlungsinformation ein. Dabei setzt er die Fernsehbilder filmisch in einer inneren Montage um; ein Vorgriff auf die Anfang der 1950er längst noch nicht voll ausgeprägte Allmacht des Fernsehens in der weltweiten Kommunikation.
|
| Die Botschaft des Films ist recht deutlich: der Aufruf zur Beendigung der Kriege und insbesondere zur Vernichtung der Kernwaffen. Der Wissenschaftler Professor Barnhardt ist leicht als filmisches Pendant zu Albert Einstein zu erkennen, der sich in seinen letzten Jahren ebenfalls gegen Kernwaffen engagierte. Aber von vielen Rezensenten gibt es Kritik an dieser Botschaft: die vorgeschlagene Lösung, sich freiwillig einer Rasse von übermächtigen Robotern zu versklaven, sei wenig erbaulich.
|
| Der Film basiert auf der Kurzgeschichte "Farewell to the Master" (deutsch: "Abschied vom Herrn") von Harry Bates, die zuerst in der Oktoberausgabe 1940 des Magazins "Astounding Science-Fiction" - in derselben Ausgabe erschien "Slan" von A. E. van Vogt - veröffentlicht wurde. Die Filmrechte hatte das Studio für 1.000 US-Dollar vom Verleger erworben, der Bates nicht gefragt hatte. Bates erhielt schließlich nur 500 US-Dollar.
|

| Kurzgeschichte und Film weisen so viele Unterschiede auf, dass von einer Verfilmung im eigentlichen Sinn keine Rede sein kann. Zwar bestehen Verbindungen; Gestalten, Handlung und vor allem die Grundaussage sind jedoch im Film stark geändert. So spielt etwa die Erzählung in der Zukunft, der Roboter heißt Gnut und ist nicht von maschinenartiger Gestalt, sondern gleicht einer metallenen Statue eines nur mit einem Lendenschurz bekleideten Menschen; es gibt keinerlei Bezug zur atomaren Bedrohung oder Kriegsneigung, Klaatu mischt sich nicht unter die Menschen, und dergleichen mehr. Auch die überraschende Schlusswendung der Kurzgeschichte wird im Film nur angedeutet.
|

Verschiedene Filmplakate zeigen den Roboter Gort, der Patricia Neals Charakter trägt und dabei eine Art Laserstrahl abfeuert. Verglichen mit dem Film ist Gort viel zu groß dargestellt, zudem ist Neal im Film nie so freizügig gekleidet. Sogar ihre Haarfarbe wurde für einige Plakate in blond geändert. All dies soll offensichtlich der Werbung dienen. Der Roboter, der eine hilflose Frau trägt, wurde ebenfalls ein beliebtes Motiv in Science-Fiction-Filmen. Auch das Filmplakat zu "Alarm im Weltall" zeigt etwa ein solches Bild. Im Gegensatz zu jenem Film kommt aber hier wenigstens eine entsprechende Szene vor, auch wenn Gort die Frau eher friedlich ins Schiff trägt.
Weitere Plakatmotive, die allerdings im Film überhaupt nicht vorkommen, sind die Erde im Griff einer überdimensionalen Hand und die Zerstörung des Kapitols.
|
| Die Tagline des Films lautete: "From out of space... a warning and an ultimatum!" ("Aus dem Weltall... eine Warnung und ein Ultimatum!").
|
| Premiere des Films war am 18. November 1951 in New York City. In der Bundesrepublik Deutschland kam der Film am 2. Mai 1952, in Österreich im Mai 1953 in die Kinos. Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde er am 14. April 1971 in der ARD.
|
| Bei einem Budget von 1,2 Millionen Dollar spielte er in den USA 1,85 Millionen Dollar ein. Der Film wird als einer der ersten, wirklich kommerziell erfolgreichen Science-Fiction-Filme betrachtet.
|
| Der Film wurde 1952 bei den Golden Globes als Bester die Völkerverständigung fördernder Film ausgezeichnet und für die Beste Filmmusik (Bernard Herrmann) nominiert. "Der Tag, an dem die Erde stillstand" wurde außerdem 1995 in das National Film Registry der USA aufgenommen, das Kopien erhaltenswerter Filme in der Library of Congress aufbewahrt.
|

| Einige Werke der populären Kultur - auch außerhalb der Science-Fiction - beziehen sich auf "Der Tag, an dem die Erde stillstand". So zeigt das Schallplattencover von Ringo Starrs Album "Goodnight Vienna" eine nachgestellte Szene des Filmes mit Starr an Stelle Klaatus. Die kanadische Progressive-Rock-Band Klaatu wählte ihren Namen nach der Hauptfigur des Filmes und bezog sich mit dem Liedtitel "Calling Occupants of Interplanetary Craft" - als Coverversion ein internationaler Hit für die Carpenters - ebenfalls direkt auf den Film. Eine Anspielung auf den Film und seinen Hauptdarsteller ist auch im Eröffnungslied "Science Fiction/Double Feature" der "Rocky Horror Picture Show" zu finden: "Michael Rennie was ill the Day the Earth Stood Still / But he told us where we stand." Zitate des Filmes fanden auch als Sample ihren Weg in verschiedene Musikstücke.
|
|
|
|
Jede Bestellung bei Amazon.de über einen unserer Partnerlinks hilft, diese Seite am Leben zu erhalten. Dabei ist es egal, ob der empfohlene Artikel oder etwas anderes bestellt wird.
|
|